Bestäubungsmanagement – Hohe Erträge sichern, Ausfälle reduzieren
Ist Bestäubungsmanagement sehr kompliziert?Nein, ein richtiges Bestäubungsmanagement ist kein Hexenwerk! Hält man sich nur ein paar wenige Grundregeln und sorgt gleichzeitig für eine entsprechende ökologische Umgebung in den Anlagen steht dem ganzen nichts mehr im Weg. Die Investitionskosten für die Schaffung entsprechender Nisthilfen in Ihren Anlagen stehen in niedriger Relation zu den wirtschaftlichen Verlusten bei Ernteausfällen oder größeren Ernteeinbußen. | 1. Grundbedarf an Bestäubern mit Honigbienen abdecken (Prämienzahlungen an die Imker, Gestaltung fester Beziehungen) | | 2. Förderung natürlicher Vorkommen von Wildbienen (Schaffung von Nisthilfen, Gewährleistung alternativer Trachten bis zum Ende der Verproviantierung der Nester) | | 3. Zukauf von Zuchthummeln unter bestimmten Voraussetzungen (Temperaturen unter 12º C, trübes Wetter, windige Lagen; für teure, z.B. überdachte Obstanlagen) | Warum eigentlich der Aufwand? Hauptbestäuber unserer Obstarten sind Honigbienen (Aussagen in der Literatur bis zu 90 %), gefolgt von Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen. Windbestäubung ist im Obstbau nur von untergeordneter Bedeutung.
Wildbienen sind jedoch inzwischen eine allgemein anerkannte Option für die Bestäubung im Obstbau. Ihre Funktion als Bestäuber wird vor allem dann erheblich an Bedeutung gewinnen, wenn die Zahl der Imker und der Honigbienenvölker weiter zurückgeht.
Der merkliche Rückgang der Berufs- und Hobbyimker sowie deren jährlich steigender Ausfall von Bienenvölker stellt die Frage nach Bestäubungskombinationen in den Raum. Der Bestand an Honigbienen hat sich hierzulande in den vergangenen zehn Jahren um ein Viertel verringert. Sollte der Trend anhalten, könnte das für Obsterzeuger teuer werden.
Vorgeschlagen werden Maßnahmen zur Gestaltung und Optimierung von Obstanlagen und ihrer Umgebung, mit dem Ziel, Wildbienen nachhaltig anzusiedeln und als Bestäuber zu nutzen. Ausschlaggebend hierfür sind Nistplätze für oberirdisch und im Boden nistende Arten sowie Nahrungsressourcen, die den Wildbienen auch noch nach der Obstblüte zur Verfügung stehen. So kann erreicht werden, dass Wildbienen ihren Lebenszyklus vollenden können und im nächsten Frühjahr eine neue Generation für die Bestäubung zur Verfügung steht.
Was bringt mir ein Bestäubungsmanagement in meinen Anlagen? Grundsätzlich sollte jeder Fruchterzeuger eine vielfältige Gestaltung der Bestäuberstruktur in seinen Anlagen anzustreben und damit optimale Voraussetzungen für eine sichere Befruchtung sowie den späteren Ertrag der Ernten abzusichern.
Ein ausgewogenes Bestäubungsmanagement kann - schlecht Wetterperioden überbrücken
- den Erfolg Ihrer Blütenbestäubung erhöhen
- Ihre Ernteerträge erhöhen
- Ihre natürliche Bestäuberressourcen in Ihren Anlagen nützen
- neue Populationen von Bestäuberinsekten aufbauen und stabilisieren
- und somit die unterstützende Bestäubungsdienstleistung im darauf folgenden Jahr weiterführen
Die beste Bestäubungszeit ist gleich nach der Aufblüte. Sorgen Sie für die bestmögliche Bestäubung. Sie habe nur wenige Tage dafür. | Effektive Bestäubungsperiode bei ausgewählten Obstarten (in Tagen) | | | effektive Bestäubungsperiode | Zeitspanne zwischen Bestäubung und Befruchtung | | Äpfel, diploide Sorten | 3 | 5-7 | | Äpfel, triploide Sorten | 5 | 5-7 | | Kirschen | 4-5 | 7-8 | | Pflaumen | 4-5 | 3-4-5 | | Quelle: STÖSSER | | | Ernteausfälle bedingt durch Schlechtwetter- bzw. Kälteperioden während der Blütezeit können durch ein vernünftiges Bestäubungsmanagement kompensieren bzw. reduzieren werden. Die Investitionskosten für die Schaffung entsprechender Nisthilfen in Ihren Anlagen stehen in niedriger Relation zu den wirtschaftlichen Verlusten bei Ernteausfällen oder größeren Ernteeinbußen.
Wildbienen stellen als Bestäuber eine wichtige Option zur Vervollständigung der “ Bestäuber – Gesellschaft “ ( pollinator community ) im Obstbau dar. Eine einseitige Konzentration auf die Honigbiene ( Apis mellifera ) und die Erdhummel ( Bombus terrestris ) ist aus verschiedenen Gründen nicht ratsam und sollte nicht weiterverfolgt werden. Eine Erweiterung der Insekten – Palette auf Arten aus den Gattungen Andrena ( Sandbienen ) und Osmia ( Mauerbienen ) ist anzustreben. Falls ein Bestäuber aus diesem Spektrum aus irgendeinem Grunde ausfallen sollte, können die beiden letztgenannten Gattungen die Bestäuberlücke höchst effizient schließen.
Vorurteil: Der Wind wird es schon machen Natürlich gibt es in der Natur die Windbestäubung. Bei Obst ist jedoch mit Ernteverlusten zu rechnen wenn man sich nur auf eine Windbestäubung verlässt.
Bei fehlender Bienenbestäubung ist bei den wichtigsten Obst- und Beerenarten mit großen Ertragsminderungen zu rechnen. Der Ertragsrückgang beträgt z. B. bei
* Birne 70%, Apfel 90%, Kirsche 95%, Himbeere 50% (*Zitat: "Imker-Praxis, das Grundwissen für die Bienenwirtschaft)
Letzten endes zählt für Sie jedes % mehr Fruchtertrag. Was bedeutet eine gute Insektenbestäubung bei Obst? Die Besonderheiten in der Befruchtungsbiologie der Obstarten zeigen, dass nicht eine reiche Blüte Voraussetzung für eine gute Ernte ist, sondern die Gewährleistung einer Bestäubung mit der geeigneten Befruchtersorte zur rechten Zeit und mit ausreichender Qualität.
Vorteile einer optimierten Blütenbestäubung:
- Anzahl Samen wird erhöht
- Höherer Fruchtansatz
- Größere Früchte
- Früchte sind haltbarer
- Bessere Fruchtqualität
- Mehreinahmen durch größere Ernteerfolge
Die Bestäubung beeinflusst durch die Zahl der gebildeten Samen und deren Verteilung im Kerngehäuse die Form des Apfels. Wenn nur einzelne Samen in einem Apfel wachsen, besteht die Gefahr, eines asymmetrischen Fruchtwachstums, was zu Abschlägen beim Preis führen kann.
Bei Strauchbeerenobst wie Johannisbeere oder Heidelbeere ist der direkte Zusammenhang zwischen Anzahl der Samen in der Frucht und deren Größe bekannt. Bei Zwetschen konnte gezeigt werden, dass beim Fruchtfall während des Wachstums verstärkt Früchte abgestoßen werden, die auf eine Befruchtung mit eigenem Pollen zurückgehen. Bei Apfel oder Süßkirsche ist eine Fruchtbildung nach Bestäubung mit eigenem Pollen genetisch ausgeschlossen. Diese sind bis auf ganz wenige neuere Sorten auf fremden Pollen für einen Fruchtansatz angewiesen. Bei Arten, die auf eine Fremdbestäubung angewiesen sind, muss Pollen oft über mehrere Meter transportiert werden. Selbst in Intensivanlagen sind zwölf Meter (drei Reihen Abstand) keine Seltenheit. Solche Entfernungen können nur von fliegenden Insekten überwunden werden. Da die Effektivität mit zunehmender Entfernung abnimmt, sollten in Obstanlagen je nach Obstart bis zu 30 Prozent Bestäuberbäume eingestreut werden. Wir machen uns diese Sammeleigenschaft der Insekten zunutze, indem wir gezielt Insekten im Blühzeitraum der Obstart zur Bestäubung in die Obstanlage bringen und so die natürliche Insektendichte erhöhen. Dies geht am einfachsten mit staatenbildenden Arten wie Honigbiene und Hummel, ist aber auch über konsequenten Populationsaufbau von solitär lebenden Wildbienen wie Mauerbiene möglich. Als besonders effektiv haben sich die Rote Mauerbiene (Osmia rufa) und die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) herausgestellt. Während die Gehörnte Mauerbiene schon sehr zeitig fliegt, kommt die Rote Mauerbiene ab Mitte April und steht dann in der Apfelblüte zur Verfügung. Was kostet mich ein ausgewogenes Bestäubungsmanagement? Diese Frage kann nicht einheitlich beantwortet werden, da das eigene Bestäubungsmanagement von den Erzeugerprodukten sowie den Erzeugertechniken (wie z.B. Folientunnel, Gewächshaus …) abhängt. Am Beispiel der Freiland Obsterzeugung mit Schwerpunkt auf Stein- und Kernobst kann man mit folgenden Investitionskosten rechnen. Investitionskosten umgerechnet auf 3 und 5 Jahre pro ha
| Einsatz von Wildbienen | 3 Jahre | 5 Jahre
| | Volle Unterstützung der Blütenbestäubung | ab 95 € | ab 60 € | | Unterstützung der Blütenbestäubung ca. 50 % * | ab 55 € | ab 35 |
* Falls Sie bereits die Bestäubung mit Honigbienen in Ihren Anlagen aktiv Betreiben so kann diese Option gewählt werden.
Ja, ich möchte mein eigenes Bestäubungsmanagement in meinen Anlagen, was muss ich dazu tun? Lassen Sie sich beraten, gemeinsam können wir das optimale Bestäubungskonzept für Ihre Anlagen und Produkt ausarbeiten.
Hier geht's zur Beratung
Keywords: Wildbienen – Hummel - Mauerbiene – Sandbiene - Rote Mauerbiene - Osmia bicornis - Osmia cornuta - Rotpelzige Sandbiene - Andrena fulva – Honigbienen - Option für die Bestäubung im Obstbau - Apfel (Malus domestica Borkh.) - Bestäubung - Honigbiene - Nektar - Pollen – Obstblüte - Obstversuchsanlage - Nistmöglichkeiten - Anbausystem – Obstart - Generation für die Bestäubung Bestäubungs management Bestäubungsmanagement – Pollination – Bestäubungsalternativen – Ernteerträge – Bestäuberstruktur – Befruchtungsbiologie
|